Rückblick und Dank

Während der Vorbereitung dieses Anlasses wurden wir immer wieder konfrontiert mit zwei Zahlen: 4087 Zeilen und 35’597 dokumentierte Verstorbene auf der List of Deaths (die aktuellste Version der Liste umfasst mittlerweile 36’570 Personen). Jede Idee, jede Handlung, jeder Ausrüstungsgegenstand musste dieser Menge standhalten können, musste – um es technisch auszudrücken – «skalieren».

Wir berechneten die Anzahl Zeilen, die pro Minute gelesen werden müssen, die Anzahl Streifen, die pro Minute beschriftet werden müssen, die Anzahl Personen, die dafür nötig waren, die Kosten für die knapp 36’000 Büroklammern, die Anzahl Meter, die alle Streifen nebeneinander in Anspruch nehmen würden, etc.
Mit Hilfe von Excel-Tabellen und Taschenrechnern entwickelten wir irgendwann gewisses abstraktes Verständnis der Zahl.

Doch jenseits einer abstrakten Anzahl, zeigte sich das Ausmass von 35’597 erst, als dutzende, letztendlich hunderte Personen kamen, um zu schreiben, aufzuhängen, zu lesen – und dennoch die Menge nicht bewältigt werden konnte. Am Sonntag um 18:00, nach sechs Stunden Verlängerung, waren noch immer ein paar tausend Personen nicht aufgeschrieben worden. Diese werden in den kommenden Tagen (Kalenderwoche 25) nachgeführt werden.

Am Schluss werden über 35’500 Streifen an der Kirche hängen. Man kann sie aus der Distanz betrachten und man kann hingehen und einen einzelnen Streifen lesen. Jeder Streifen symbolisiert eine verstorbene Person mit ihrer ganzen Vielschichtigkeit, ihrer Biografie, ihren Hoffnungen, Wünschen, Erinnerungen, ihrem Potenzial. Die Installation mag die Menge vielleicht etwas fassbarer machen, aber letztendlich treibt das Ausmass der Tragödie die menschliche Vorstellungskraft noch immer an ihre Grenzen. So gesehen ist auch dieses Mahnmal nur ein schwaches Symbol. Dennoch ist es unsere Hoffnung, dass es bedeutungsvoll sein kann, für Menschen mit oder ohne persönliche Fluchterfahrung.

Die Streifen werden für gut zwei Wochen hängen bleiben. Eine erste Wetterprüfung haben sie am Flüchtlingstag selber bereits überstanden. Bleibt zu hoffen, dass sie von Vandalismus verschont bleiben. Der Abbau ist am 1. Juli geplant, danach wird das Material eingelagert. Über die weitere Verwendung müssen wir noch entscheiden.

Ganz herzlichen Dank an alle, die geholfen haben, dieses Zeichen zu setzen! Euer Einsatz ist eine grosse Ermutigung — *Ihr* seid eine grosse Ermutigung.

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PS: Unsere Mailbox bleibt noch für eine Weile offen. Falls ihr uns kontaktieren möchtet…